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Applepie (2)

Ich stelle mir hier die Frage, ob American Applepie zu den Hauptmahlzeiten zählt? Ist er ein Dessert oder ist er doch eher ein Kuchen? Wo sollte man ihn wohl einordnen. Der Pie kann grundsätzlich süß oder herzhaft sein. Der Applepie ist als sogenannter "Fruit Pie" eine süße Pie-Variante.

Eine wunderschöne Kindheitserinnerung ist der American Applepie jedenfalls für mich. Ich habe ihn bei unseren amerikanischen Nachbarn kennen gelernt. Es hat aber ein bisschen gedauert, bis ich ihn selbst machen konnte. Dafür musste ich über ein herrliches amerikanisches Rezept aus dem Jahr 1832 stolpern. Das habe ich übersetzt, ausprobiert, und es funktioniert auch im 21. Jahrhundert. Die Füllung habe ich aus einem Apfel-Tarte Rezept abgewandelt. Aber die Kruste ist original aus dem Kochbuch "Seventy-five Receipts for Pastries, Cakes, And Sweetmeats" by Miss Leslie, of Philadelphia. Munroe and Francis, New York, Boston 1832.

Titelseite des Rezeptbuchs von Miss Leslie 1832

In diesem Rezept aus dem Jahre 1832 steht dann zum Beispiel "...wenn die Butter zu 'frisch' sein sollte, würde etwas Salz (bis zu einem TL für umgerechnet 680g Mehl) die Kruste verbessern". Das Rezept war ansonsten ganz ohne Salz angegeben. Ich dachte mir dann allerdings, dass die heutige Butter wohl immer frisch ist und habe dem Krustenteig mit 250g Mehl entsprechend 1/3 TL Salz gegönnt und auch - nach der Back-Philosophie meiner Mutter und Großmutter, wonach in jede süße Speise eine Prise Salz gehört - auch in die Füllung eine Prise Salz gegeben, die bei einer Apfel-Tarte nicht mit zugegeben wird.

Das Ergebnis ist ein sehr leckerer Applepie. Ich habe den Deckel nicht mit Ei bepinselt, was dem Geschmack aber keinen Abbruch tut. Lediglich habe ich den Deckel nach dem Backen mit etwas Milch bepinselt. So sieht man es der Oberfläche des Deckels an, dass der Teig wirklich mürbe ist. Die Kruste schmeckt etwas salzig und deshalb herzhaft. Die Füllung ist mit Äpfeln aus der Region gemacht und schmeckt intensiv nach Apfel.

Ich habe in einem anderen Versuch Rosinen und auch geriebenen Mandeln mit eingearbeitet. Das hat auch sehr gut geschmeckt. Allerdings der unverfälschte Applepie-Geschmack kommt ohne das aus.

Das übersetzte und abgewandelte Rezept habe ich in einer original US-amerikanischen Corning-Ware-Form gebacken und dabei ein sehr gutes Ergebnis erzielt.

Rezeptseiten 23-25 kombiniert

 

Viel Spaß beim Nachbacken!

 

Mein Rezept:

Für den Teig:

 

250 g Mehl

125 g Butter

1/3 TL Salz

2 EL Wasser (kalt)

Für die Füllung:

 

6 Stk. Äpfel

1 Stk. Zitrone

1 TL Muskatnuss

2 TL Zimt

60 g Zucker

40 g Mehl

1 Prise Salz

1 Eigelb

Zubereitung:

Applepie

Teig:

Mehl mit dem Salz in eine Schüssel geben und mischen, dann die Butter in kleinen Scheiben in das Mehl geben, so dass alle Scheiben bereits gleich mit Mehl bedeckt sind und nicht aneinander kleben. Schnell mit der Hand kneten und langsam nach und nach das Wasser dazugeben, so dass ein geschmeidiger Teig entsteht. Den Teig zu einer Kugel formen und 20 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.


Füllung:

Währenddessen die Zitronenschale von der ganzen Zitrone in eine Schüssel reiben, die an der Reibe haftenden Schalenreste mit dem Zucker lösen und zu der in der Schüssel befindlichen Schale zufügen. Dann den Zucker ordentlich mit der Schale vermischen und dabei die geriebene Schale weiter mit dem Zucker zermahlen, so dass der Zucker gelb wird und das Zitrusöl der Schale in den Zucker ziehen kann. Die Äpfel schälen, vierteln und dabei die restliche Schale an Stil und Blüte sowie das Gehäuse entfernen. Anschließend die Apfelviertel weiter in dünne Scheiben schneiden und in

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eine verschließbare Schüssel geben. Eine Hälfte der Zitrone ausdrücken und den Saft zu den Apfelscheiben geben. Dann in der geschlossenen Schüssel ordentlich schütteln bis die Äpfel gleichmäßig mit Zitronensaft benetzt sind. Jetzt Muskatnuss, Zimt und Mehl mit dem Zitrus-Zucker mischen und anschließend diese Mischung nach und nach zu den Äpfeln geben, wobei nach jeder Zugabe die Schüssel wieder geschlossen und ordentlich geschüttelt werden sollte. Wenn die ganze Mischung in die Apfelscheiben eingearbeitet ist, 2/3 vom Teig ausrollen und in eine mit Butter gefettete Auflaufform geben, so dass die Ränder mit Teig bedeckt sind.pie2

Die Apfelscheiben auf den Teig füllen, so dass die Füllung in der Mitte höher ist, als am Rand. Dann den restlichen Teig ausrollen und als Deckel über die Füllung legen. Die Teigränder der Form und des Deckels miteinander fest verkneten und in den Deckel Löcher stechen.

Das verquirlte Eigelb mit einem Pinsel auf den Deckel verstreichen.

Den Backofen auf 220°C vorheizen und die Auflaufform hineinstellen. Nach 15 Minuten auf 175 °C herunter regeln und weitere 40 Minuten backen bis es aus den Löchern im Deckel blubbert. Anschließend in der Form abkühlen lassen und in Portionen evtl. mit geschlagener Sahne oder Vanilleeis servieren.

Der Applepie schmeckt sehr gut, wenn er noch etwas warm ist. Die Konsistenz der Füllung ist allerdings im kalten Zustand besser. Wie man auf dem zweiten Foto sieht, welches etwa 12 Stunden nach dem Backen aufgenommen worden war, ist der Pie eher ein Kuchen, welcher in festen Stückchen serviert werden kann.

Ergänzung:

In die Füllung können nach Bedarf auch Rosinen, Sultaninen, etc. gemischt werden oder einige Äpfel durch andere helle Früchte, wie Birnen, Aprikosen, etc. der entsprechenden Menge ersetzt werden.