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Wandern im Siebengebirge

Königswinter, davor und dahinter ...

oder vielleicht eher "vorne hui, hinten pfui".

Bahnhof Königswinter

Ich war Anfang April zwei Tage in Königswinter und war morgens mit der Bahn gefahren. Die Bimmelbahn RB27 brauchte bereits von Köln nach Königswinter ca. 43 Minuten. Und dann dort, mein Händi hat Verbindung 'E' (die Langsamste) ins Internet angezeigt und das mit dem teuersten Telekom-Tarif in Deutschlands Netz Nummer1!!!! (Bauch-halten-vor-lachen)

 

Königswinter ist 40 Km von Köln entfernt. Die Bahn braucht also zirka 1 Minute pro Kilometer oder 60 km/h Geschwindigkeit. Aus meiner Sicht sind das Geschwindigkeiten, wie sie vor 150 Jahren üblich waren, als die Bahn noch mit Kohle und die Bimmel per Hand funktionierten.

 

Sei's drum! Man könnte sich nun streiten, ob der Fortschritt auch im Kleinen gefordert werden sollte und die Gemeinden zwischen den Großstädten nicht günstiger an diese angebunden werden sollten, um so eventuell den Verkehrsinfarkt vor und den damit verbundenen Wohnungsmangel in den Städten zu bekämpfen. Denn wer von Wohnungsknappheit spricht, spricht auch von Landflucht, spricht auch von schlechter Internet-Anbindung auf dem Land (verantwortlich ist die Telekom) oder ebenso von unzulänglichen Verkehrsanbindungen (verantwortlich ist die DB Deutsche Bahn, et al.).

 

Dass in Deutschland seitens der Dienstleister nichts geht, wenn es nicht in einem leicht abzusahnenden Ballungsgebiet passiert, sieht man an diesen Beispielen der Bahn und der Telekom in allen Bundesländern. Die Verantwortlichen haben keine Visionen und der Verdacht liegt nahe, dass sie diese nie gehabt haben. Viel Geld ist den Managern der Staatsbetriebe Telekom und Bahn gezahlt worden. Und für was?

 

Wollte Altbundeskanzler Kohl bereits Internet für alle, ist dies heute fast 35 Jahre danach in Deutschland noch immer nicht verwirklicht, jedenfalls nicht von der Telekom auf dem Land und gemäß Stand der Technik.

 

Keine Firma, kein Freiberufler oder Selbständiger wird es in Kauf nehmen, dass sie oder ihre Homeoffice Mitarbeiter nicht über das Internet an die Firma angeschlossen sein können, die Auftraggeber nicht jederzeit über das Internet bedient werden können und das Angebot aus dem Internet nicht stets zur Verfügung steht. Heute ist dies auf dem Land jedenfalls nicht in annähernd adäquater Weise realisiert und damit hat das ländliche Idyll gegenüber den stadtnahen Gebieten als Standort verloren, mit den oben bereits angedeuteten Folgen.

 

Die Rhein-Promenade von Königswinter, die ja nun von Touristenschiffen angelaufen wird, welche Touristen bringen, die dann auch mit den Schiffen wieder fahren, und dazwischen schöne Umsätze in der Gemeinde tätigen, ist prima hergerichtet. Gedankt und geschuldet ist dies wohl den umsatzsteuerstarken Lokalen und Restaurants, die dort ansässig sind.

 

Ansonsten scheint Königswinter ein Städtchen zu sein, dass ganz "Autostadt" ist, so klein es auch ist (außer vielleicht an der Rhein-Promenade), und überhaupt nicht auf den Fremdenverkehr eingestellt, d.h. den wandernden Touristen, der mit der Bahn anreist. Unglücklicherweise war ich auf dem Weg vom Bahnhof zum Petersberg wegen der unzureichenden Ausschilderung für Wanderer oder Fußgänger auf die Hauptverkehrsstraße geraten, wo ich erst über eine Wahnsinnsbrückenkonstruktion gelangt war, die einem Autobahnzubringer gleicht und für Fußgänger nur einen schmalen, mit Radfahrern gemeinsam genutzten Weg auf einer Seite hinter dicken Leitplanken zur Verfügung stellt.

 

Um zum Berg zu wandern ist es nötig, erst die Bahngleise, dann die vierspurig ausgebaute Bundesstraße zu überwinden, um dann irgendwie in den Wald am Fuße des Petersberges zu kommen. Als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte und stadtauswärts die ersten Gehöfte auftauchten, konnte ich nicht mehr von der Straße weg ins Grüne, weil eben diese Gehöfte sich kilometerweit hinter Mauern verschanzten und offenbar kein öffentlicher Weg zum Wald und zum Petersberg hinführten. Der Lärm der Autos und ihre Abgase begleiteten mich dann die gesamte Strecke, die ich bis zum Abzweig Petersberg gehen musste. Und es stank, nach Diesel- und Bezinabgasen und nicht zu knapp.

Petersberger Aussicht

 

Die alternative Strecke ist nicht nur nicht ausgeschildert, sie führt auch noch durch ein Industriegebiet zunächst entlang den Bahngleisen. Dort weisen Schilder auf der öffentlichen Straße dann auch noch den Fußgänger darauf hin, dass er dort wegen Anliefer- und Betriebsverkehr nicht gehen dürfe, wobei ich entlang der Straße nur stillgelegte Betriebe fand. Die nicht stillgelegte Firma xyz lag etwas weiter hinten und war kein Anrainer der Straße/des Wanderwegs zum Petersberg.

 

Erst als es in den Wald ging, nach der Unterführung der Bundesstraße, waren die Waldwege mit Wanderwegszeichen ausgestattet. Offenbar geht niemand in Königswinter davon aus, dass Wanderer den Rheinsteig nach Königswinter hin verlassen oder von Königswinter zum Rheinsteig wandern wollen.

 

Aber die Aussicht oben und die Möglichkeit im Biergarten zu pausieren, entschädigt dann ein wenig.

 

Das nächste Mal werde ich lieber von Röndorf aus zur Löwenburg hoch wandern. Das ist besser ausgeschildert. Aber dort gibt es keine Gastronomie und man muss sein Proviant selbst mitbringen.