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Melitta Bentz und ihr Kaffeefilter

Das Deutsche Patent- und Markenamt hat wieder einmal "Melitta Bentz, Mutter des Filterkaffees" als Erfinderin des 19. Jahrhunderts hervorgehoben!

Es ist wahr. Und es ist nicht bestreitbar. Melitta Bentz ist auch noch aus heutiger Sicht eine herausragende Erfinderpersönlichkeit und hat durchaus einen Anspruch auf einen Platz in der Hall of Fame der deutschen Erfinder(innen) beim Deutschen Patent- und Markenamt. Nicht umsonst wird sie alle Jahre wieder aus der Versenkung geholt und vom Deutschen Patent- und Markenamt hochgelobt. Aber kommt ihr das Lob alleine zu.

Nun, die Beschreibung des Deutschen Patent- und Markenamtes auf seiner Homepage greift da doch historisch etwas zu kurz. Wie ich bereits in meinem Artikel über den Internationalen Frauentag geschrieben hatte, war Deutschland zwar gerade Ende des 19. und der Anfang des 20. Jahrhundert in vieler Hinsicht, aber vor allem auch bei den Frauenrechten sehr weit vorne. Danach aber bei Letzterem nie wieder.

Eine Erfinderin konnte damals in rechtlicher Hinsicht nichts ohne ihren Ehemann entscheiden oder bezüglich ihres geistigen Eigentums geschäftsmäßig handeln. So war der Schritt eine Erfindung beim damaligen Kaiserlichen Patentamt anzumelden auch für Melitta Bentz nicht ohne ihren Ehemann zu schaffen, und vermutlich ein Wagnis, was die Erfinderrechte betrifft.

So ist die Geschichte von Melitta Bentz heute vor allem eine Mahnung an die Welt, dass die Beschränkung von persönlichen Rechten stets eine Hemmung des Fortschrittes der Gesellschaft auf jedem Gebiet, auch der Technik, darstellt. Es ist ganz gleich, warum Menschen der Zugang zu Rechten verweigert wird, ob aufgrund des Geschlechtes, der Religion, der sozialen Umstände,  ... bis hin zur sexuellen Orientierung. Jede dieser Verweigerungen von Rechten stellt eine Einschränkung dar, die die betroffenen Menschen in Krisen führt, welche ihrem Weiterkommen, ihrer Neugier, ihrer Kreativität, etc. im Wege stehen.

Was wäre die Welt, und vor allem auch die Familie von Melitta Bentz, heute ärmer, wenn es ihr von ihrem Mann, oder von den durchweg männlichen Beamten des Kaiserlichen Patentamtes versagt worden wäre, den Kaffeefilter zum Patent anzumelden. Sicherlich wäre jemand anderes darauf gekommen, aber weiß man es. Jedenfalls war die Zeit Melittas Erfindung auch die Zeit, in der Ehemänner die von ihren Frauen geschriebenen Bücher unter eigener Autorenschaft veröffentlichten, ohne dass die Frauen den Ruhm oder die wirtschaftlichen Ergebnisse ihrer Erfolge ohne ihre Männer genießen konnten. Wie viele Erfindungen von Frauen mögen wohl auf diese Weise den Ehemännern zugeschrieben worden sein. 

Bedenkt man, wo wir jetzt erst sind, global gedacht, müsste einem die Gänsehaut den Rücken hochlaufen. In Deutschland haben Frauen erst in den 1960er Jahren rechtlich die volle Geschäftsfähigkeit erlangt. Noch immer ist der Zugang zu Bildung und Wissen von der sozialen Herkunft oder dem Geschlecht, beziehungsweise ähnlichen persönlichen und körperlichen oder wirtschaftlichen Merkmalen abhängig. Die Menschen nehmen es auch in Deutschland noch einfach hin, dass die Politik, und das ist in erster Linie die Sozial- und Bildungspolitik, es nicht geregelt bekommt, dass Kinder unabhängig von ihren Eltern, unbeschränkten Zugang zu Bildung, unbeschränkte Verpflegung während der Schul- und Ausbildungszeit und ausreichende Lernschutzzeiten haben.

Und wenn jetzt jemand meint, dass Erfolg nicht nur auf den sozialen Hintergrund zurückzuführen sei, dem sei entgegengehalten, dass damals die Firmengründung eine Einlage von nur 73 Pfennigen erforderte. Und heute?

Dass Melitta Bentz ihren persönlichen Erfolg aus ihrer Erfindung genießen konnte, war auch einem ebenso patenten Ehemann zuzuschreiben, der sich damals für die Rechte von Melitta eingesetzt hatte. Auch solchen Persönlichkeiten ist es zu verdanken, dass die Rechte der Frauen weiter entwickelt worden sind.

Wir dürfen es jedoch nicht bei den Rechten der Frauen belassen. Die Entwicklung der Gesellschaft steht damit doch erst am Anfang.